Neueste Studie kann Zahnspangenbehandlung des sog. „tiefen Überbisses“ oder der „vertikalen Stufe“ weder empfehlen noch davon abraten.

Was ist eine „vertikale Stufe“ oder ein „tiefer Überbiss“?

Wenn vor allem die oberen Frontzähne die unteren nahezu vollständig überdecken (beim Zusammenbeissen zu beurteilen). Dabei können die unteren Frontzähne die Gaumenschleimhaut des Oberkiefers mehr oder weniger stark beim Zusammenbeissen berühren.

Wenn die unteren Frontzähne die Gaumenschleimhaut beim Zusammenbeissen verletzen, sprechen Zahnärzte und Kieferorthopäden von einem „traumatischen Tiefbiss“ (sehr selten).

Noch seltener berühren beim Zusammenbeissen die oberen Frontzähne das Zahnfleisch der unteren Frontzähne.

Die „vertikale Stufe“ ist Bestandteil der „Kieferorthopädischen Indikationsgruppen„, eine Tabelle nach der festgestellt wird, bei welcher Zahnstellung die Behandlung von der Gesetzlichen Krankenversicherung übernommen wird:

T Vertikale Stufe – tief
Der vertikale Frontzahnüberbiss wird unterschieden in regulären Überbiss (bis 3 mm),
tiefen Biss ohne bzw. mit Gingivakontakt sowie Tiefbiss mit traumatisierendem
Einbiss in die antagonistische Gingiva.

Es ist zu beachten, dass der Begriff „regulärer Überbiss“ (biss 3mm) rein willkürlich festgelegt ist und keinen direkten Zusammenhang mit der Gesundheit hat.

Nutzen einer Behandlung der „vertikalen Stufe“ oder „tiefen Überbisses“.

Nach aktuellem Stand der Wissenschaft besteht Unklarheit ob die Behandlung einer „vertikalen Stufe“ nütz oder nicht. Das heisst, ob sich ein Patient nach der Behandlung besser fühlt als vorher oder ob die Behandlung in Zukunft die Gesundheit allgemein und die des Gebisses fördert.

Der Link zur Studie:

Millett DT, Cunningham SJ, O’Brien KD, Benson PE, de Oliveira CM.Orthodontic treatment for deep bite and retroclined upper front teeth in children.Cochrane Database of Systematic Reviews 2017, Issue 10. Art. No.: CD005972.
DOI: 10.1002/14651858.CD005972.pub3.

 

 

 

 

 

 

 

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Extrem selten doch möglich: Verschluckter Zahnspangendraht führte zur Bauch-OP

Eine 30-Jährige Frau.

Bauschmerzen, immer wiederkehrend.

Grund:  metallisches, drahtbogen-förmiges Objekt – ein verschluckter ZAHNSPANGENBOGEN – erkannt mittels Röntgendiagnostik (CT).

Unverzügliche Notfall-Operation zur Entfernung des Objektes.

Seit 10 Jahren keine Zahnspange getragen.

Keine Erinnerung an einem Draht- oder Bracketverlust.

Zum Fallbericht im British Medical Journal:

http://casereports.bmj.com/content/2017/bcr-2017-221152.full#F2

Die Zahnstellung als auch die Kieferstellung spielen NICHT die HAUPTROLLE in der Entstehung von Kiefergelenkserkrankungen – neue wissenschaftliche Erkenntnisse!!!

 

„Der Biss ist nicht richtig“ sowie Zahnspangenbehandlungen, um Kiefergelenkserkrankungen zu verhindern sollten der Vergangenheit angehören.

Die aktuelle systematische Übersichtsarbeit zum aktuellen Stand der medizinischen Erkenntnisse ist eindeutig: Die Zahnstellung und die Kieferstellung einen Menschen spielen keine bedeutende Rolle bzw. entscheidende Rolle in der Entstehung von Kiefergelenkserkrankungen.

Somit können Zahnspangenbehandlungen unnötig sein, um Kiefergelenkserkrankungen zu vermeiden.

 

Die Links zur Studie mit kritischer Auswertung der Arbeit:

https://www.nationalelfservice.net/dentistry/temporomandibular-joint-disorders/temporomandibular-disorders-no-role-dental-occlusion/sthash.X4u317Mo.gbpl

J Oral Rehabil. 2017 Jun 10. doi: 10.1111/joor.12531. [Epub ahead of print]
Manfredini D, Lombardo L, Siciliani G

Die Ostseezeitung: „Wissenschaftler kritisieren übertriebenen Zahnspangeneinsatz“

Zu den Texten

  1. http://m.ostsee-zeitung.de/Vorpommern/Greifswald/Wissenschaftler-kritisieren-uebertriebenen-Zahnspangeneinsatz#Galerie
  2. 0407-oz-hp-grw-01-01
  3. 0407-oz-hp-grw-11-11 (1)

In der Freitagsausgabe (7. April 2017) der Ostseezeitung wurde über unsere bundesweite Studie zur Zahnspangenbehandlung in Deutschland berichtet.

Diese Studie ist unter folgendem link hier in diesem blog zu finden.

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Ein ZUVIEL an Röntgenuntersuchungen,

ein ZUVIEL an herausnehmbaren Spangen

und eine ZULANGE Behandlungszeit

sollten vermieden werden, um die Gesundheit der meist jungen aber auch erwachsenen Patienten zu schützen und die finanzielle Belastung zu verringern.

Wir werden also die Reaktionen zu den Berichten der Ostseezeitung abwarten und falls Klärungsbedarf besteht, werden wir hier Stellungnahme beziehen.

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Wir werden auch beginnen, schrittweise Ratschläge und Tipps zu veröffentlichen wie

  1.  unnötige Röntgenuntersuchungen,
  2.  unnötige Zanspangenbehandlungen,
  3. unnötige Zuzahlungen zu ohnehin kassenfinanzierten Spangenbehandlungen

vermieden werden können.

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In der Medizin gibt es schon zahlreiche Eigeninitiativen der Ärzte, unnötige Behandlungen zu bestimmen und diese zu vermeiden (Entscheide-Klug-Initiative).

Solche Initiativen fehlen bislang in der Kieferorthopädie. Deshalb unsere Bemühungen hier, den Schutz jungendlicher und erwachsener Patienten zu verbessern.

Die vertragszahnärztliche Kieferorthopädie – unzweckmäßig, intransparent und paternalistisch – Artikel in der Zeitschrift „Gesundheit und Sozialpolitik“

Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit der kieferorthopädischen Versorgung im GKV System orientieren sich überwiegend an den Praxisinteressen der Leistungsanbieter und nicht am aktuellen Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse.

Auf diese Weise wird mehr als die Hälfte jedes Kinderjahrgangs unnötig pathologisiert und unzweckmäßigen kieferorthopädischen Maßnahmen ausgesetzt.

Krankenkassen wie Eltern werden ohne gesundheitlichen Nutzen finanziell belastet.

Die Implementierung von bereits in anderen Versorgungsbereichen erprobten sozialrechtlichen Kriterien und Normen der evidenzbasierten Medizin könnte die Qualität der Versorgung erheblich verbessern.

Zum Volltext des Artikels:

spassov_in_gesundheit-und-sozialpolitik_-2016

Kein Unterschied? Doch, im Preis!

Etwa bei 8 von 10 Zahnspangenbehandlungen auf Kosten der Krankenkassen müssen Eltern aus eigener Tasche zubezahlen.

Einer der häufigsten Gründe sind die angeblich „besseren“ selbstligierenden Brackets im Vergleich zu den „normalen“ oder „Sassenbrackets“ oder einfach Brackets ohne selbstligierendem Mechanismus.

Hier ein Vergleich, der auf wissenschaftlichen Studien basiert:

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AcceleDent – Neue Studie legt nahe, dass die AcceleDent Apparatur nicht effektiv ist.

 

Im Dezember (2016) ist eine neue Studie zum Nutzen der AcceleDent Apparatur erschienen.

Die wichtigsten 4 Ergebnisse der Studie:

  1. Die AcceleDent Aura Apparatur hatte keine nennenswerte bessere Auswirkung auf die Veränderung des Kieferumfanges.
  2. Die Apparatur hatte keinen bedeutenden Effekt auf die Veränderung von „Zahnstellungsirregularitäten“.
  3.  Unannehmglichkeiten/Diskomfort wurde von der AcceleDent Aura Apparatur nicht verändert.
  4. Bedeutend weniger Patienten mit der AcceleDent Apparatur verwendeten Schmerzmittel an Tag 1.

Link zur Zusammenfassung der Studie

Another trial suggests that AcceleDent may not be effective…

ZAHNSPANGEN BEI JUGENDLICHEN: ZU FRÜH, ZU OFT, ZU LANG, ZU TEUER? Ja! Ja! Ja! Ja!

Die Westdeutsche Zeitung hat heute, den 29.11.2016, einen Bericht über eine Studie veröffentlicht, die ich mit Kollegen im September diesen Jahres publizierte und hier nachgelesen werden kann.

Der Artikel in der Westdeutschen Zeitung:

Als link

oder

als pdf: kfo_gesmonitor_wz_leben2016

 

Warum haben wir diese Studie durchgeführt?

Das Problem der Überversorgung in der Kieferorthopädie war unsere Hauptmotivation.

  1. Überversorgung schadet den Patienten.
  2. Überversorgung verursacht unnötige Kosten.
  3. Überversorgung schadet dem Berufsstand der Kieferorthopäden/Zahnärzten

 

Hauptursache für Überversorgung ist die mangelnde Aufklärung über die Möglichkeiten von Behandlung und Nichtbehandlung.

 

Uns war es daher besonders wichtig, zu erfahren, ob das SELBSTBESTIMMUNGSRECHT der Eltern und ihrer Kinder gewahrt wird. Zahnstellungen bedrohen kaum die Gesundheit und ob eine Zahnspangenbehandlung zu deren „Verbesserung“ stattfinden soll, MUSS mit den Kindern und deren Eltern gemeinsam stattfinden. Dazu benötigen Kinder und Eltern z.B. VERSTÄNDLICHE INFORMATIONEN  über die Risiken und Belastungen der Behandlung, über die Risiken und Behandlungen der verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten aber eben auch die Nichtbehandlungs-Möglichkeit.

Weiter war uns wichtig Daten zu sammeln, ob unnötige Maßnahmen wie lose Zahnspangen verwendet werden, die zu unnötig langen Behandlungszeiten führen. Denn unnötig lange Behandlungszeiten (über 18-24 Monaten) führen zu höherem Kariesrisiko, höheren Kosten und höheren Aufwand und Belastung für Eltern und Kinder.

Wir wollten ebenfalls herausfinden, ob unnötige Zuzahlungen zu ohnehin von der Krankenkasse finanzierten Zahnspange verlangt werden. Es ist erstaunlich, dass zum Beispiel die selbstligierenden Brackets / mit selbstschließmechanismus keine Vorteile gegenüber den „normalen“ Brackets zeigen: weder in Behandlungsdauer, weder bei den Schmerzen zu Beginn der Behandlung noch in der Anzahl der nötigen Termine beim Kieferorthopäden.

Der EINZIGE UNTERSCHIED IST IM PREIS:

Selbstligierende Brackets müssen von den Eltern privat bezahlt werden.

„Normale“ Brackets werden von den Krankenkassen übernommen.