NDR vom 1. März 2016: Zahnspangen – Medizin oder Kosmetik?

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/nordmagazin/Zahnspange-Medizin-oder-Kosmetik,nordmagazin34456.html

Dieser Beitrag ist eine indirekte „Spätfolge“  meines Artikels zur Notwendigkeit von Zahnspangenbehandlungen sowohl aus Sicht der Patienten als auch aus Sicht der Kieferorthopäden und Krankenkassen.

Dieser Artikel wurde von Hochschullehren für Kieferorthopädie so heftig kritisiert, dass das Thema von Spiegel-online aufgearbeitet wurde da es offensichtlich im Interesse der Öffentlichkeit lag (link).

Durch den Artikel im Spiegel-Online ist der NDR auf die Problematik und dadurch auf mich aufmerksam geworden.

Immerhin ist die Mundgesundheit von Millionen von Jugendlichen betroffen: etwa 1,4 Millionen Jugendliche befinden sich laufend in kieferorthopädischer Behandlung auf Kosten der gesetzlichen Versicherung (Statistik 2014 der Kassenzahnärztlichen Vereinigung – link)

Der Beitrag trägt den Titel „Zahnspangen – Medizin oder Kosmetik“ und diskutiert das Problem ob die Zahnspangen eine medizinische Notwendigkeit sind oder nicht.

 

Das Grundproblem aus meiner Sicht ist jedoch

die Nichtbeachtung aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse zur Notwendigkeit, Nutzen und Effektivität von Zahnspangenbehandlungen

sowie

die Nichtbeachtung grundlegender ethischer Prinzipien wie das Selbstbestimmungsrecht von Patienten und deren Eltern.

 

Dadurch ist die Gesundheit dieser Jugendlichen direkt gefährdet,

denn die Jugendlichen werden somit unnötigen Röntgenstrahlen ausgesetzt (z.B. Fernröntgenaufnahmen und Panoramaaufnahmen der Zähne) OBWOHL diese eben nicht in 9 von 10 Fällen für die Planung von Zahnspangen nötig sind.

 

Dadurch ist die Gesundheit dieser Jugendlichen direkt gefährdet,

denn die Jugendlichen werden mit meist unnötigen und nicht-effektiven herausnehmbaren zu Zahnspangen behandelt, OBWOHL eben bekannt ist dass die festsitzenden effektiver sind. Somit ist die Behandlung länger und die Jugendlichen sind den Risiken der Zahnspangenbehandlung länger ausgesetzt – Karies, Entkalkungen, Zahnfleischentzündungen, Wurzelresorptionen usw.

 

Dadurch ist die Gesundheit dieser Jugendlichen direkt gefährdet,

denn durch das Unterlassen von Informationen wie „Zahnfehlstellungen“ sind keine Krankheit, eine Nichtbehandlung mit Zahnspangen gefährdet generell nicht die Zahngesundheit stimmen viele Patienten und deren Eltern einer Behandlung zu, die wahrscheinlich für diese Patienten keinen Nutzen hätten. Somit sind sie den Behandlungsrisiken und Kosten ausgesetzt.

 

Den Antworten zu den Fragen:

  • Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
  • Welche Risiken hat jede der Behandlungsmöglichkeiten?
  • Was passiert wenn ich keine Zahnspange bekomme?

müssen wissenschaftliche Erkenntnisse neben den persönlichen Erfahrungen der Kieferorthopäden zugrunde liegen.

 

Problem dabei:

Kieferorthopäden haben wahrscheinlich kaum Zugang zu wissenschaftlichen Studien:

  •  für die meisten Fachzeitschriften müssen Gebühren bezahlt werden),

 

  • das Lesen, Verstehen und Anwenden wissenschaftlicher Erkenntnisse (Englischkenntnisse, Ausbildung in Statistik und wissenschaftlichen Methoden) gehört meist nicht zum Lehrplan von Zahnmedizinstudenten oder zukünftiger Kieferorthopäden.

 

Das Argument, dass die Notwendigkeit für Zahnspangenbehandlungen vom Gesetzgeber festgelegt wurde, wie es in der Sendung angegeben wurde, und somit nicht zu hinterfragen sei, ist problematisch:

Ob eine Zahnstellung behandlungsbedürftig ist oder nicht ist eine komplexe Angelegenheit für die es flexible Kriterien geben sollte und die insbesondere die Patientenpräferenzen also die Patientenvorstellungen berücksichtigen müssen.

 

Mögliche Lösungen:

  1. Eltern und Patienten müssen stärker in die Entscheidungen FÜR oder GEGEN eine Zahnspange einbezogen werden. Das geschieht am besten durch die Erklärung ALLER Vor- und Nachteile einer jeder Behandlungsmöglichkeit INKLUSIVE der Möglichkeit nicht zu behandeln.
  2. Kieferorthopäden sollten sich stärker nach den Patientenbeschwerden orientieren und nicht nach anatomischen Merkmalen wie Zahn- und Kieferstellung. Hauptziel sollte sein konkrete Beschwerden der Patienten zu beheben.
  3. Krankenkassen sollten sich stärker dafür einsetzen, dass wissenschaftlich gesicherte Zahnspangenbehandlungen in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung aufgenommen werden. Zum Beispiel der Retainer für alle Patienten.
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