4 Dinge die sie als Patient oder Kieferorthopäde hinterfragen müssen

Weltweit und nicht nur in Deutschland werden unnötige Behandlungen in der Kieferorthopädie, sogenannte Zahnspangen, durchgeführt.

Der aktuelle Bericht des Bundesrechnungshofes bestätigt nahezu alle Beiträge auf diesem blog, der sich mit der Erfassung von unnötigen Zahnspangenbehandlungen beschäftigt und versucht, Eltern zu informieren, wie sie sich gegen unnötige Zahnspangen schützen.

Ich habe nun versucht, in 8 Punkten diejenigen Zahnspangenbehandlungen und Zahnspangenmaßnahmen aufzulisten, die vermieden werden sollten oder sehr kritisch angesehen werden müssen:

 

1. Röntgenaufnahmen des Schädels (Fernröntgenseitenbild) nur in Ausnahmefällen!

Röngtenaufnahmen des gesamten Schädels sind für die Behandungsplanung in der Kieferorthopädie bei den allermeisten Patienten unnötig (etwa 9 von 10). Dennoch werden sie bei nahezu allen Patienten durchgeführt.

Deshalb: Keine Röntgenaufnahme des Schädels ohne vorherigem klar verständlichem Grund (Indikation) akzeptieren.

BOS 2015

 

2. Röntgenübersichtsaufnahme (sogenanntes OPG oder PSA) der Zähne nur in Ausnahmefällen!

Röntgenübersichtsaufnahmen aller Zähne VOR, Während oder NACH Behandlung sind bei den allermeisten Patienten (etwa 7 von 10) unnötig. Die aktuellen Richtlinien für die zahnärztliche Behandlung verbieten, dass jedes Kind in der Zahnmedizin/Kieferorthopädie vor Behandlung OHNE GRUND geröngt wird.

Dennoch werden ALLE Kinder in der Kieferorthopädie geröngt.

Deshalb: Keine Röntgenübersichtsaufnahme aller Zähne ohne vorherigem klar verständlichem Grund (Indikation) akzeptieren.

BOS 2015

 

3. Vermeide Frühbehandlungen oder sog.  2- Phasen Behandlung (erst lose, dann feste Spange).

Frühbehandlungen oder Zahnspangenbehandlungen im Milchgebiss oder Gebiss mit bleibenden und Milchzähnen sind generell UNWIRKSAM.

Lose Zahnspangen sind generell UNWIRKSAMER im Vergleich zu festen Zahnspangen.

Vermeide deshalb Behandlungen vor Durchbruch aller bleibender Zähne.

Vermeide deshalb Behandlungen mit losen Zahnspangen.

Sunnak et al. 2015


4. Immer die Option Beobachten und Abwarten als Alternative berücksichtigen. Zahnstellungen, wie sie auch sind, stellen keine gesundheitliche Gefahr an sich dar.

Zahnspangenbehandlungen sind WAHLBEHANDLUNGEN, dass heisst, sie können müssen aber nicht durchgeführt werden, um gesund zu bleiben oder werden. Zahnstellungen stellen kaum ein gesundheitliches Risiko dar.

 

Wird bald ergänzt…..

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Neueste Studie kann Zahnspangenbehandlung des sog. „tiefen Überbisses“ oder der „vertikalen Stufe“ weder empfehlen noch davon abraten.

Was ist eine „vertikale Stufe“ oder ein „tiefer Überbiss“?

Wenn vor allem die oberen Frontzähne die unteren nahezu vollständig überdecken (beim Zusammenbeissen zu beurteilen). Dabei können die unteren Frontzähne die Gaumenschleimhaut des Oberkiefers mehr oder weniger stark beim Zusammenbeissen berühren.

Wenn die unteren Frontzähne die Gaumenschleimhaut beim Zusammenbeissen verletzen, sprechen Zahnärzte und Kieferorthopäden von einem „traumatischen Tiefbiss“ (sehr selten).

Noch seltener berühren beim Zusammenbeissen die oberen Frontzähne das Zahnfleisch der unteren Frontzähne.

Die „vertikale Stufe“ ist Bestandteil der „Kieferorthopädischen Indikationsgruppen„, eine Tabelle nach der festgestellt wird, bei welcher Zahnstellung die Behandlung von der Gesetzlichen Krankenversicherung übernommen wird:

T Vertikale Stufe – tief
Der vertikale Frontzahnüberbiss wird unterschieden in regulären Überbiss (bis 3 mm),
tiefen Biss ohne bzw. mit Gingivakontakt sowie Tiefbiss mit traumatisierendem
Einbiss in die antagonistische Gingiva.

Es ist zu beachten, dass der Begriff „regulärer Überbiss“ (biss 3mm) rein willkürlich festgelegt ist und keinen direkten Zusammenhang mit der Gesundheit hat.

Nutzen einer Behandlung der „vertikalen Stufe“ oder „tiefen Überbisses“.

Nach aktuellem Stand der Wissenschaft besteht Unklarheit ob die Behandlung einer „vertikalen Stufe“ nütz oder nicht. Das heisst, ob sich ein Patient nach der Behandlung besser fühlt als vorher oder ob die Behandlung in Zukunft die Gesundheit allgemein und die des Gebisses fördert.

Der Link zur Studie:

Millett DT, Cunningham SJ, O’Brien KD, Benson PE, de Oliveira CM.Orthodontic treatment for deep bite and retroclined upper front teeth in children.Cochrane Database of Systematic Reviews 2017, Issue 10. Art. No.: CD005972.
DOI: 10.1002/14651858.CD005972.pub3.

 

 

 

 

 

 

 

Extrem selten doch möglich: Verschluckter Zahnspangendraht führte zur Bauch-OP

Eine 30-Jährige Frau.

Bauschmerzen, immer wiederkehrend.

Grund:  metallisches, drahtbogen-förmiges Objekt – ein verschluckter ZAHNSPANGENBOGEN – erkannt mittels Röntgendiagnostik (CT).

Unverzügliche Notfall-Operation zur Entfernung des Objektes.

Seit 10 Jahren keine Zahnspange getragen.

Keine Erinnerung an einem Draht- oder Bracketverlust.

Zum Fallbericht im British Medical Journal:

http://casereports.bmj.com/content/2017/bcr-2017-221152.full#F2

Die Zahnstellung als auch die Kieferstellung spielen NICHT die HAUPTROLLE in der Entstehung von Kiefergelenkserkrankungen – neue wissenschaftliche Erkenntnisse!!!

 

„Der Biss ist nicht richtig“ sowie Zahnspangenbehandlungen, um Kiefergelenkserkrankungen zu verhindern sollten der Vergangenheit angehören.

Die aktuelle systematische Übersichtsarbeit zum aktuellen Stand der medizinischen Erkenntnisse ist eindeutig: Die Zahnstellung und die Kieferstellung einen Menschen spielen keine bedeutende Rolle bzw. entscheidende Rolle in der Entstehung von Kiefergelenkserkrankungen.

Somit können Zahnspangenbehandlungen unnötig sein, um Kiefergelenkserkrankungen zu vermeiden.

 

Die Links zur Studie mit kritischer Auswertung der Arbeit:

https://www.nationalelfservice.net/dentistry/temporomandibular-joint-disorders/temporomandibular-disorders-no-role-dental-occlusion/sthash.X4u317Mo.gbpl

J Oral Rehabil. 2017 Jun 10. doi: 10.1111/joor.12531. [Epub ahead of print]
Manfredini D, Lombardo L, Siciliani G

Die Ostseezeitung: „Wissenschaftler kritisieren übertriebenen Zahnspangeneinsatz“

Zu den Texten

  1. http://m.ostsee-zeitung.de/Vorpommern/Greifswald/Wissenschaftler-kritisieren-uebertriebenen-Zahnspangeneinsatz#Galerie
  2. 0407-oz-hp-grw-01-01
  3. 0407-oz-hp-grw-11-11 (1)

In der Freitagsausgabe (7. April 2017) der Ostseezeitung wurde über unsere bundesweite Studie zur Zahnspangenbehandlung in Deutschland berichtet.

Diese Studie ist unter folgendem link hier in diesem blog zu finden.

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Ein ZUVIEL an Röntgenuntersuchungen,

ein ZUVIEL an herausnehmbaren Spangen

und eine ZULANGE Behandlungszeit

sollten vermieden werden, um die Gesundheit der meist jungen aber auch erwachsenen Patienten zu schützen und die finanzielle Belastung zu verringern.

Wir werden also die Reaktionen zu den Berichten der Ostseezeitung abwarten und falls Klärungsbedarf besteht, werden wir hier Stellungnahme beziehen.

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Wir werden auch beginnen, schrittweise Ratschläge und Tipps zu veröffentlichen wie

  1.  unnötige Röntgenuntersuchungen,
  2.  unnötige Zanspangenbehandlungen,
  3. unnötige Zuzahlungen zu ohnehin kassenfinanzierten Spangenbehandlungen

vermieden werden können.

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In der Medizin gibt es schon zahlreiche Eigeninitiativen der Ärzte, unnötige Behandlungen zu bestimmen und diese zu vermeiden (Entscheide-Klug-Initiative).

Solche Initiativen fehlen bislang in der Kieferorthopädie. Deshalb unsere Bemühungen hier, den Schutz jungendlicher und erwachsener Patienten zu verbessern.

Die vertragszahnärztliche Kieferorthopädie – unzweckmäßig, intransparent und paternalistisch – Artikel in der Zeitschrift „Gesundheit und Sozialpolitik“

Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit der kieferorthopädischen Versorgung im GKV System orientieren sich überwiegend an den Praxisinteressen der Leistungsanbieter und nicht am aktuellen Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse.

Auf diese Weise wird mehr als die Hälfte jedes Kinderjahrgangs unnötig pathologisiert und unzweckmäßigen kieferorthopädischen Maßnahmen ausgesetzt.

Krankenkassen wie Eltern werden ohne gesundheitlichen Nutzen finanziell belastet.

Die Implementierung von bereits in anderen Versorgungsbereichen erprobten sozialrechtlichen Kriterien und Normen der evidenzbasierten Medizin könnte die Qualität der Versorgung erheblich verbessern.

Zum Volltext des Artikels:

spassov_in_gesundheit-und-sozialpolitik_-2016

Kein Unterschied? Doch, im Preis!

Etwa bei 8 von 10 Zahnspangenbehandlungen auf Kosten der Krankenkassen müssen Eltern aus eigener Tasche zubezahlen.

Einer der häufigsten Gründe sind die angeblich „besseren“ selbstligierenden Brackets im Vergleich zu den „normalen“ oder „Sassenbrackets“ oder einfach Brackets ohne selbstligierendem Mechanismus.

Hier ein Vergleich, der auf wissenschaftlichen Studien basiert:

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AcceleDent – Neue Studie legt nahe, dass die AcceleDent Apparatur nicht effektiv ist.

 

Im Dezember (2016) ist eine neue Studie zum Nutzen der AcceleDent Apparatur erschienen.

Die wichtigsten 4 Ergebnisse der Studie:

  1. Die AcceleDent Aura Apparatur hatte keine nennenswerte bessere Auswirkung auf die Veränderung des Kieferumfanges.
  2. Die Apparatur hatte keinen bedeutenden Effekt auf die Veränderung von „Zahnstellungsirregularitäten“.
  3.  Unannehmglichkeiten/Diskomfort wurde von der AcceleDent Aura Apparatur nicht verändert.
  4. Bedeutend weniger Patienten mit der AcceleDent Apparatur verwendeten Schmerzmittel an Tag 1.

Link zur Zusammenfassung der Studie

Another trial suggests that AcceleDent may not be effective…