Die Ostseezeitung: „Wissenschaftler kritisieren übertriebenen Zahnspangeneinsatz“

Zu den Texten

  1. http://m.ostsee-zeitung.de/Vorpommern/Greifswald/Wissenschaftler-kritisieren-uebertriebenen-Zahnspangeneinsatz#Galerie
  2. 0407-oz-hp-grw-01-01
  3. 0407-oz-hp-grw-11-11 (1)

In der Freitagsausgabe (7. April 2017) der Ostseezeitung wurde über unsere bundesweite Studie zur Zahnspangenbehandlung in Deutschland berichtet.

Diese Studie ist unter folgendem link hier in diesem blog zu finden.

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Ein ZUVIEL an Röntgenuntersuchungen,

ein ZUVIEL an herausnehmbaren Spangen

und eine ZULANGE Behandlungszeit

sollten vermieden werden, um die Gesundheit der meist jungen aber auch erwachsenen Patienten zu schützen und die finanzielle Belastung zu verringern.

Wir werden also die Reaktionen zu den Berichten der Ostseezeitung abwarten und falls Klärungsbedarf besteht, werden wir hier Stellungnahme beziehen.

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Wir werden auch beginnen, schrittweise Ratschläge und Tipps zu veröffentlichen wie

  1.  unnötige Röntgenuntersuchungen,
  2.  unnötige Zanspangenbehandlungen,
  3. unnötige Zuzahlungen zu ohnehin kassenfinanzierten Spangenbehandlungen

vermieden werden können.

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In der Medizin gibt es schon zahlreiche Eigeninitiativen der Ärzte, unnötige Behandlungen zu bestimmen und diese zu vermeiden (Entscheide-Klug-Initiative).

Solche Initiativen fehlen bislang in der Kieferorthopädie. Deshalb unsere Bemühungen hier, den Schutz jungendlicher und erwachsener Patienten zu verbessern.

Die vertragszahnärztliche Kieferorthopädie – unzweckmäßig, intransparent und paternalistisch – Artikel in der Zeitschrift „Gesundheit und Sozialpolitik“

Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit der kieferorthopädischen Versorgung im GKV System orientieren sich überwiegend an den Praxisinteressen der Leistungsanbieter und nicht am aktuellen Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse.

Auf diese Weise wird mehr als die Hälfte jedes Kinderjahrgangs unnötig pathologisiert und unzweckmäßigen kieferorthopädischen Maßnahmen ausgesetzt.

Krankenkassen wie Eltern werden ohne gesundheitlichen Nutzen finanziell belastet.

Die Implementierung von bereits in anderen Versorgungsbereichen erprobten sozialrechtlichen Kriterien und Normen der evidenzbasierten Medizin könnte die Qualität der Versorgung erheblich verbessern.

Zum Volltext des Artikels:

spassov_in_gesundheit-und-sozialpolitik_-2016

Kein Unterschied? Doch, im Preis!

Etwa bei 8 von 10 Zahnspangenbehandlungen auf Kosten der Krankenkassen müssen Eltern aus eigener Tasche zubezahlen.

Einer der häufigsten Gründe sind die angeblich „besseren“ selbstligierenden Brackets im Vergleich zu den „normalen“ oder „Sassenbrackets“ oder einfach Brackets ohne selbstligierendem Mechanismus.

Hier ein Vergleich, der auf wissenschaftlichen Studien basiert:

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AcceleDent – Neue Studie legt nahe, dass die AcceleDent Apparatur nicht effektiv ist.

 

Im Dezember (2016) ist eine neue Studie zum Nutzen der AcceleDent Apparatur erschienen.

Die wichtigsten 4 Ergebnisse der Studie:

  1. Die AcceleDent Aura Apparatur hatte keine nennenswerte bessere Auswirkung auf die Veränderung des Kieferumfanges.
  2. Die Apparatur hatte keinen bedeutenden Effekt auf die Veränderung von „Zahnstellungsirregularitäten“.
  3.  Unannehmglichkeiten/Diskomfort wurde von der AcceleDent Aura Apparatur nicht verändert.
  4. Bedeutend weniger Patienten mit der AcceleDent Apparatur verwendeten Schmerzmittel an Tag 1.

Link zur Zusammenfassung der Studie

Another trial suggests that AcceleDent may not be effective…

ZAHNSPANGEN BEI JUGENDLICHEN: ZU FRÜH, ZU OFT, ZU LANG, ZU TEUER? Ja! Ja! Ja! Ja!

Die Westdeutsche Zeitung hat heute, den 29.11.2016, einen Bericht über eine Studie veröffentlicht, die ich mit Kollegen im September diesen Jahres publizierte und hier nachgelesen werden kann.

Der Artikel in der Westdeutschen Zeitung:

Als link

oder

als pdf: kfo_gesmonitor_wz_leben2016

 

Warum haben wir diese Studie durchgeführt?

Das Problem der Überversorgung in der Kieferorthopädie war unsere Hauptmotivation.

  1. Überversorgung schadet den Patienten.
  2. Überversorgung verursacht unnötige Kosten.
  3. Überversorgung schadet dem Berufsstand der Kieferorthopäden/Zahnärzten

 

Hauptursache für Überversorgung ist die mangelnde Aufklärung über die Möglichkeiten von Behandlung und Nichtbehandlung.

 

Uns war es daher besonders wichtig, zu erfahren, ob das SELBSTBESTIMMUNGSRECHT der Eltern und ihrer Kinder gewahrt wird. Zahnstellungen bedrohen kaum die Gesundheit und ob eine Zahnspangenbehandlung zu deren „Verbesserung“ stattfinden soll, MUSS mit den Kindern und deren Eltern gemeinsam stattfinden. Dazu benötigen Kinder und Eltern z.B. VERSTÄNDLICHE INFORMATIONEN  über die Risiken und Belastungen der Behandlung, über die Risiken und Behandlungen der verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten aber eben auch die Nichtbehandlungs-Möglichkeit.

Weiter war uns wichtig Daten zu sammeln, ob unnötige Maßnahmen wie lose Zahnspangen verwendet werden, die zu unnötig langen Behandlungszeiten führen. Denn unnötig lange Behandlungszeiten (über 18-24 Monaten) führen zu höherem Kariesrisiko, höheren Kosten und höheren Aufwand und Belastung für Eltern und Kinder.

Wir wollten ebenfalls herausfinden, ob unnötige Zuzahlungen zu ohnehin von der Krankenkasse finanzierten Zahnspange verlangt werden. Es ist erstaunlich, dass zum Beispiel die selbstligierenden Brackets / mit selbstschließmechanismus keine Vorteile gegenüber den „normalen“ Brackets zeigen: weder in Behandlungsdauer, weder bei den Schmerzen zu Beginn der Behandlung noch in der Anzahl der nötigen Termine beim Kieferorthopäden.

Der EINZIGE UNTERSCHIED IST IM PREIS:

Selbstligierende Brackets müssen von den Eltern privat bezahlt werden.

„Normale“ Brackets werden von den Krankenkassen übernommen.

Kieferorthopädische Behandlung aus Sicht der Kinder und deren Eltern:

1. Mangelnde Aufklärung

über Notwendigkeit der Zahnspangenbehandlung sowie Bevormundung von Kindern, Jugendlichen und deren Eltern durch Kieferorthopäden

 

2. Unnötige Zusatzkosten für Zahnspangenbehandlungen

die ohnehin von der Krankenkasse finanziert werden

 

3. Zu lange Behandlungszeiten

durch unnötige Anwendung von losen Spangen die  ineffektiv sind und nachgewiesener Maßen keinen Nutzen haben – sie können das Kieferwachstum NICHT beeinflussen

Die Studie zum anklicken

Fester Draht auf der Rückseite der Vorderzähne besser als lose Schiene zur Stabilisierung der Zähne nach Zahnspangenbehandlung

Es ist einleuchtend, dass auf der Rückseite der Vorderzähne befestigter Draht die Zahnstellung nach Zahnspangenbehandlung besser stabilisiert als eine lose Spange oder Schiene.

Eine neue Studie, die beide Methoden vergleicht, kommt zum Schluss, dass:

  1. eine gewisse RÜCKSTELLUNG der Zähne auf jeden Fall auftritt
  2. der geklebte Draht auf der Rückseite der Vorderzähne die Stellung der Vorderzähne besser in den ersten 6 Monaten hält, als die lose Spange oder lose Schiene.

 

Was folgt daraus?

A.   Mit einer mehr oder weniger geringen Rückverstellung der Vorderzähne nach        Zahnspangenbehandlung muss gerechnet werden.

B. Vor Beginn einer jeder Behandlung müssen Patienten folgendes wissen:

Um die Vorderzähne in der Stellung zu halten, wie durch die Zahnspangenbehandlung erreicht, ist der geklebte Draht auf der Rückseite die beste Wahl.

C. Zahnärzte und Krankenkassen haben zusammen beschlossen, dass der geklebte Draht auf der Rückseite der Vorderzähne nur im Unterkiefer und nur bei der Einstufung KIG E3 von der Krankenversicherung übernommen wird.

Und hier geht es zur Zusammenfassung der Studie:

http://www.ajodo.org/article/S0889-5406(16)30187-1/pdf

Eine Alternative überflüssige Bestandteile der Zahnspangenbehandlung ihres Kindes zu vermeiden – die Patientenquittung

„Als Mitglied der Gesetzlichen Krankenkasse erfahren Sie nicht automatisch, welche Leistungen der Arzt abrechnet und welche Kosten damit verbunden sind.

Wenn Sie dies wünschen, können Sie nach § 305 Abs. 2 SGB V vom Arzt, Zahnarzt oder Krankenhaus eine Patientenquittung mit Kosten- und Leistungsinformationen in verständlicher Form erhalten. Dabei haben Sie die Wahl: Lassen Sie sich vom behandelnden Arzt entweder direkt im Anschluss an die Behandlung oder nach Ablauf des Abrechnungsquartals eine Patientenquittung ausstellen. Für die quartalsweise schriftliche Unterrichtung wird eine Gebühr von einem Euro erhoben. Möchten Sie die Patientenquittung per Post zugeschickt bekommen, müssen Sie die Versandkosten übernehmen.

Zusätzlich können Sie nach § 305 Abs. 1 SGB V auch von Ihrer gesetzlichen Krankenkasse auf Antrag Informationen über die von Ihnen in den letzten 18 Monaten in Anspruch genommenen Leistungen und deren Kosten erhalten.

Auf der Patientenquittung finden Sie eine Aufstellung aller Leistungen und Kosten in übersichtlicher Form. Damit können Sie besser nachvollziehen, welche Leistungen zu welchen Kosten Ihre Ärztin oder Ihr Arzt erbracht hat.“

Zitat aus:

http://www.bmg.bund.de/themen/praevention/patientenrechte/patientenquittung.html